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Mitternacht

Die Mitternacht war kalt und stumm; Ich irrte klagend im Wald herum. Ich habe die Bäum' aus dem Schlaf gerüttelt; Sie haben mitleidig die Köpfe geschüttelt. Quelle: Heinrich […] Mehr lesen

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Schwankungen des

Der Doctor ließ den Anker auswerfen und hakte ihn in den Wipfel eines hohen Baumes ein; aber ein sehr rauher Wind schüttelte den Victoria dermaßen, daß er sich mitunter in ganz […] Mehr lesen

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Feuerschein

Deine grauen Haare bergen, was in deiner Seele ruht, wie die Asche des Vulkanes Zeuge ist der innern Glut, und aus deiner Augen Tiefen, sprühet blitzend, göttlich rein, ewig […] Mehr lesen

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Sonnenbad, Träume, Seufzen, Stöhnen, murrende Klage.

Die Legende der Sonnenschläferin und die Regeln des vergessenen Pools.

Das Kreischen der rostigen Scharniere hallte durch die leere Lagerhalle. Alex warf die letzte Feldbettmatratze auf den staubigen Stapel. Ein Wirbel aus Motten und dem süßlichen Geruch von Schimmel und vergessenem Schweiß stieg auf. Draußen, hinter den vergilbten Fenstern, nagte der späte Septembernachmittag an den letzten Farben des Tages. Camp Sonnenschein sah aus wie ein verbrannter Käferpanzer: lang, niedrig, aus dunklem Holz, von Kletterpflanzen erdrosselt. Sam lehnte am Türrahmen, eine leere Coladose in der Hand. „Ich zähle achtundvierzig Matratzen. Fehlen noch zwei aus der Pine-Lodge.“ „Die waren durchgefault“, sagte Taylor, ohne von ihrem Tablet aufzusehen. Sie tippte auf die Inventarliste. „Hab sie schon im Protokoll als entsorgt markiert. Die Jungs vom Bauhof holen den ganzen Mist morgen.“ Drei Betreuer. Eine Woche. Die letzte Pflicht. Alex, der die Stille hasste, schlug sich klatschend auf den Oberschenkel. „Also. Noch vier Tage. Wer möchte heute Abend kochen? Ich mache alles, außer diese verdammten Dosenspaghetti von letztem Mal.“ Sie lachten. Das Lachen fraß sich in der leeren Halle fest.

Das alte Logbuch und die eingeschnitzten Geheimnisse der verlassenen Lodge.

Die Pine-Lodge roch nach nassem Holz und Mäusekot. Alex riss das letzte Poster von der Wand – ein verwaschenes Bild eines Dinosauriers, der einen Badeanzug trug. Darunter kam das wahre Holz zum Vorsochen: bedeckt mit eingeschnitzten Initialen, Jahreszahlen, Herzen. *J+M ’93. Ich war hier. SOS.* Sam wuchtete einen alten Metallschrank zur Seite. Etwas fiel mit einem dumpfen Schlag zu Boden. Ein ledergebundenes Buch, so dick wie zwei Bibeln. Der Einband war blassgrün, von Salzwasser oder Feuchtigkeit verzieht. *LOG* stand in abgeblätterten goldenen Buchstaben darauf. „Das ist kein offizielles Lagerlogbuch“, sagte Taylor. Sie blätterte die Seiten um. Die Einträge waren in verschiedenen Handschriften verfasst, manche kindlich-krakelig, andere in gestochener Schreibschrift. Es waren Geschichten. Alberne Lagerfeuer-Gruselgeschichten, durchsetzt mit Berichten über Mutproben. *Heute Nacht sind wir zum Pool geschlichen. Sarah hat geweint. Wir sind weggerannt, ohne zurückzuschauen.* Dann, etwa in der Mitte, änderte sich der Ton. Die Schrift wurde älter, zittriger. *Sie warnen immer vor dem nächtlichen Bad. Aber sie sagen nie, warum es funktioniert. Der Mond muss voll sein. Das Wasser muss still sein. Man muss dreimal den eigenen Namen flüstern. Dann kommt sie. Sie nimmt den Kummer. Sie nimmt die Angst. Für einen Moment. Sie hinterlässt eine Leere, die kälter ist als alles andere.*

Die Entscheidung das Ritual zu vollziehen und die Legende ein für alle Mal zu beenden.

Das Abendessen – Bohnen aus der Dose auf verbranntem Toast – verlief in gedrückter Stimmung. Der Wind hatte gedreht und fegte jetzt nasse, kalte Luft durch die Ritzen der Lodge. „Das ist alles Kindergeschwätz“, sagte Sam. Er tippte auf die Logbuchseite. „Eine Selbstläufer-Legende. Je mehr Kinder davor gewarnt werden, desto mehr trauen sie sich, es doch zu tun. Desto mehr Geschichten landen im Buch. Ein sich selbst erhaltender Kreislauf.“ „Aber warum dann der Teil mit dem Kummer?“, murmelte Taylor. Sie starrte in ihre Kaffeetasse. „Das klingt nicht nach einer Kindergeschichte.“ Alex lachte scharf auf. „Weil es ein Wunschbrunnen ist! Hast du nicht gelesen? Sie nimmt den Kummer. Klar, das wünscht sich jedes gestresste Stadkind, das hierher geschickt wird. Einfach mal alles weg.“ Er stand auf, sein Stuhl kratzte über den Boden. „Ich weiß, was wir heute Nacht machen. Wir beenden die Legende. Endgültig.“ „Was soll das heißen?“, fragte Sam. „Wir machen das Ritual. Wir rufen die große, böse Sonnenschläferin. Und wenn nichts passiert – und es wird nichts passieren – dann reißen wir diese letzte Seite raus. Dann ist dieser Ort endlich gesäubert. Von allem.“ In ihren Augen sah er nicht Überzeugung, sondern eine müde Art von Neugier. Die Neugier von Menschen, die eine Woche lang keine Ablenkung mehr hatten.

Das schwarze Wasser des Pools und die drei geflüsterten Namen im Mondlicht.

Der Weg zum Pool war ein schmaler Pfad, den Farne überwuchert hatten. Der Mond, voll und kalt, warf ihre Schatten wie schwarze Messerschnitte auf den Boden. Der Pool lag in einer Senke. Ein rechteckiges Betonbecken, gefüllt mit Regenwasser, Laub und einer schwarzen, undurchdringlichen Schicht am Grund. Der Gestank nach faulendem organischem Material lag schwer in der Luft. „Also“, sagte Alex. Seine Stimme klang zu laut. „Der Mond ist voll. Das Wasser ist still. Was jetzt?“ Taylor zog die Logbuchseite aus ihrer Jacke. Sie faltete sie auseinander. Ihre Hände zitterten ein wenig. „Man muss ins Wasser steigen. Bis zur Brust. Dann dreimal den eigenen Namen flüstern.“ Sam schüttelte den Kopf. „Das ist das Dümmste, was ich je...“ Aber Alex hatte schon seine Schuhe ausgezogen. Er kletterte über den bröckelnden Beckenrand. Das Wasser war eisig. Es drang durch seine Jeans, ein beißender Schmerz. Laub wirbelte um seine Waden. „Na also“, sagte er, und seine Zähne klapperten. „Alex. Alex. Alex.“ Die Stille, die folgte, war absolut. Selbst das Zirpen der Grillen war verstummt. Dann trat Sam ins Wasser. Dann Taylor. Ihre Flüsternamen vermischten sich mit dem Platschen und Knirschen ihrer Bewegungen. Sie standen zu dritt im schwarzen Wasser, unter dem weißen Mond, und warteten auf ein Nichts, das sich erleichternd anfühlen würde. Ein Blubbern stieg aus der Tiefe. Eine große Luftblase brach an der Oberfläche auf und setzte einen modrigen, süßen Geruch frei, wie verwesende Blumen. „Natürlich“, sagte Sam mit einer gepressten Stimme. „Faulschlamm. Gärungsgase. Seht ihr? Biologie, nicht Magie.“ Sie stiegen hinaus. Ihre Kleidung tropfte. Sie fühlten sich albern. Und doch, auf dem Rückweg zur Lodge, sprach niemand ein Wort.

Das Erwachen in der eiskalten Lodge mit schmutzigen Händen und schlafwandlerischer Schrift.

Alex wachte davon auf, dass ihm kalt war. Eiskalt. Seine Decke lag am Fußende des Feldbetts. Das Fenster stand offen. Das hatte er nicht getan. Er stand auf, um es zu schließen. Im Mondlicht sah er seine Hände an. Sie waren schmutzig. Erde krümelte unter seinen Fingernägeln. Sein Pyjamahemd war an den Knien fleckig. Ein Geräusch drang von Sams Zimmer herüber. Ein gleichmäßiges, schabendes Geräusch. *Schürf. Schürf. Schürf.* Alex schob die Vorhangstür beiseite. Sam saß aufrecht in seinem Bett. Die Augen waren geschlossen. Seine rechte Hand bewegte sich rhythmisch über die Oberfläche des Nachttisches. In seiner geschlossenen Faust hielt er einen Kugelschreiber. Die Spitze war eingefahren. Er schrieb mit der stumpfen Plastikhülle auf das Holz. Immer und immer wieder das gleiche Wort: LEER. LEER. LEER. „Sam?“ Sams Kopf drehte sich. Die Augen öffneten sich zu schmalen Schlitzen. Dahinter war nur Schwarz. Kein Weiß, keine Iris. Einfach tiefes, verschluckendes Schwarz. Ein Lächeln zog seine Lippen auseinander. Es war nicht Sams Lächeln. „Du hast angerufen“, sagte die Stimme. Es war Sams Stimme, aber sie klang, als käme sie von weit weg, durch einen langen Tunnel. „Du hast das Abendmahl serviert.“ Die Vorhangstür fiel hinter Alex zu. Er stand im dunklen Flur, sein Herz ein wilder Hammer in seiner Kehle. Aus Taylors Zimmer kam ein leises, unterdrücktes Schluchzen.

Die Sonnenschläferin betritt den Raum und erklärt die Natur des nächtlichen Mahles.

Taylor saß zusammengerollt in einer Ecke ihres Zimmers. Sie hatte die Bettdecke über den Kopf gezogen. „Geh weg“, flüsterte sie, als Alex eintrat. „Geh weg, geh weg, geh weg.“ „Taylor, es ist Alex.“ „Ich weiß, wer du bist.“ Sie zog die Decke einen Spalt herunter. Ihr Gesicht war verheult, ihre Augen riesig vor Entsetzen. „Sie ist in meinem Kopf. Sie zeigt es mir. Sie zeigt mir, wie es ist.“ „Wie was ist?“ „Kalt. So kalt. Sie hat so lange geschlafen. Sie träumte nur von unserer Wärme. Von unseren kleinen, lauten, ängstlichen Gedanken. Sie nannte es Funkeln.“ Taylor presste die Fäuste gegen ihre Schläfen. „Und jetzt sind wir hier. Wir sind ins Wasser gestiegen. Wir haben uns gewaschen. Für sie. Wir sind das Festmahl, Alex.“ Draußen, im Hauptraum, knallte etwas um. Das Geräusch von umgeworfenen Möbeln. Sam stand in der Mitte des Raumes. Sein Körper hing schief in den Gelenken, als wäre er eine Marionette mit lockeren Fäden. Das Schwarze in seinen Augen hatte sich ausgedehnt, fraß nun die Hälfte seiner weißen Augäpfel. „Sie möchte weitermachen“, sagte Sam, oder das, was Sam besaß. „Der erste Gang war nur... ein Appetithäppchen.“ Er bewegte sich nicht wie Sam. Er glitt. Die Schritte waren zu lang, zu fließend. Alex packte Taylors Hand und zog sie zur hinteren Tür, der Notausgang, der zum Werkzeugschuppen führte.

Die Analyse der Bedrohung im Werkzeugschuppen und die Enthüllung der persönlichen Ängste.

Der Schuppen roch nach Benzin und altem Grasschnitt. Sie verrammelten die Tür mit einer Schubkarre. „Sie nutzt unsere Träume“, keuchte Taylor. Sie rutschte den Holzverschlag hinunter, bis sie auf dem Boden saß. „Sie kennt unsere Ängste. Sie stellt sie nach. Sam... Sams größte Angst ist, leer zu sein. Nutzlos. Sie lässt ihn das fühlen. Absolut.“ „Und deine?“, fragte Alex. Seine eigene Angst, ein schwerer, kalter Stein in seinem Bauch, begann schon zu wachsen. Taylor schloss die Augen. „Vergessen zu werden. Spurlos zu verschwinden. Sie zeigte mir... wie alles verblasst. Mein Name. Mein Gesicht. Alles, was ich je gesagt habe. In einem kalten, stillen Ort zu enden, an den sich niemand erinnert.“ Sie öffnete die Augen. „Was ist deine, Alex?“ Draußen schabte etwas über die Holzverkleidung des Schuppens. Langsam. Absichtlich. Alex dachte an die leere Lagerhalle. An die achtundvierzig Matratzen. An die Stille, die sich nach dem Lachen festfraß. „Einsamkeit“, sagte er leise. „Endgültige, absolute Einsamkeit.“ Die Tür bewegte sich. Ein Ruck. Die Schubkarre kippelte. „Sie kann unsere Körper nicht nehmen“, flüsterte Taylor. „Nicht direkt. Nicht solange wir wach sind. Aber sie kann unsere Gedanke formen. Sie kann unsere eigenen Köpfe gegen uns verwenden. Das ist das Festmahl. Sie frisst nicht unser Fleisch. Sie frisst, was wir fühlen. Sie trinkt unsere Angst.“

Die Erkenntnis dass das Lager ein Gefängnis ist und der einzige Ausweg die Zerstörung.

Die Tür barst mit einem trockenen Knacken. Sam stand im Rahmen. Das Schwarz in seinen Augen war jetzt ein tiefer Ozean. Ein Lächeln spielte um seinen Mund. „Das Lager ist ihr Ort“, sagte die Stimme aus ihm. „Ihr Schlafplatz. Ihr Netz. Jedes Lachen, das hier verhallt ist, jede Träne, die hier vergossen wurde, nährt den Boden. Ihr gehört hierher. Ihr seid schon immer hier gewesen.“ Alex stieß Taylor zur Seite, griff nach einer Axt, die an der Wand lehnte. Der Stiel fühl sich rau und real an. Ein Gegenpol zu dem schleichenden Alptraum vor ihm. „Wir gehen“, sagte Alex. Seine Stimme bebte nicht. „Wir verlassen das Lager. Jetzt.“ Das Ding in Sam lachte. Es war das Geräusch von zerbrechendem Eis. „Ihr könnt gehen. Versucht es. Die Wege werden sich winden. Die Bäume werden euch zurückführen. Das Lager hält, was ihm gehört. Für die Dauer der Nacht.“ Es war die Art, wie es „die Nacht“ sagte. Nicht als Zeitangabe, sondern als einen Zustand. Eine unveränderliche Tatsache. Taylor richtete sich auf. Ihre Tränen waren versiegt. „Das Ritual“, sagte sie. „Wir haben es begonnen. Es hat Regeln. Es muss Regeln haben. Alles hier basiert auf Regeln.“ Alex dachte an das Logbuch. An die Warnungen. *Man darf nie allein gehen. Man darf nie bei Nacht hingehen. Man darf nie baden.* Sie hatten alle drei Regeln gebrochen. Die Einladung war ausgesprochen. Das Mahl angerichtet. „Es gibt noch eine Regel“, sagte er langsam. „In jeder Gruselgeschichte. Das Geisterding, das Monster... es kann nur an dem Ort existieren, an den es gebunden ist. Sie sagte es selbst. Das Lager ist ihr Ort.“ Sein Blick traf den von Taylor. Er sah das gleiche, verzweifelte Verstehen. Sie konnten das Lager nicht verlassen. Nicht in dieser Nacht. Aber sie konnten es zerstören.

Die Flamme die das Lager verschlingt und die gierige Antwort der erwachten Kreatur.

Sie rannten nicht zum Tor. Sie rannten zum Heizöllager. Zu dem rostigen Tank hinter der Küche. Alex hackte mit der Axt auf das Abflussventil ein. Dickes, übelriechendes Heizöl sprudelte heraus und bildete eine schwarze, sich ausbreitende Lache. Sam – das Ding – beobachtete sie von der Veranda der Lodge aus. Es machte keine Anstalten, sie aufzuhalten. Es schien amüsiert. „Ihr werdet mir nicht entkommen. Ihr werdet nur müde werden. Eure Angst wird würziger. Reifer.“ Taylor riss Planen von den alten Holzmöbeln, zerknüllte Zeitungen aus dem Recycling. Alex zog sein Feuerzeug aus der Tasche. Das billige Plastikteil fühl sich winzig an gegen die schiere Größe der Dunkelheit um sie herum. „Für alles, was hier je Angst hatte“, murmelte er. Dann warf er das brennende Papiermknäuel in die Öllache. Die Flamme schoss mit einem tiefen, grollenden *Whoomph* in den Himmel. Sie fraß sich gierig den Ölteppich entlang, direkt zum Tank. Die Explosion war nicht filmreif, sondern ein dumpfer, hohler Schlag, der die Erde erschütterte. Dann breitete sich das Feuer aus. Es leckte an der hölzernen Veranda. Es kletterte die Wände der Lodge hinauf. Es verwandelte das Lager in einen Kamin. Im flackernden Feuerschein sahen sie Sams Körper zusammensacken. Das Schwarz wich aus seinen Augen wie eine zurückweichende Flut. Er starrte auf seine eigenen Hände, verwirrt, zitternd. Dann sah er das Feuer. Die Sonnenschläferin schrie. Es war kein Geräusch aus Sams Mund. Es war ein Geräusch, das aus dem Boden kam, aus den Bäumen, aus der Luft selbst. Ein Schrei aus reiner, ungefilterter Wut und... Gier. Das Feuer war Wärme. Unfassbare, verschwenderische, helle Wärme. Das genaue Gegenteil ihres kalten Traums. Sie sahen, wie sich die Flammen über dem verfallenen Pool bogen, wie von einem unsichtbaren Zugluftstrom angezogen. Sie sahen, wie der Rauch sich zu wirbelnden, geisterhaften Armen formte, die nach der Hitze griffen. Das Lager, ihr Netz, ihr Körper, stand in Flammen. Und sie sog es gierig in sich auf.

Das Erwachen am Waldrand und die gebrochene Stille nach dem großen Feuer.

Sie fanden sich am Waldrand wieder, eine halbe Meile entfernt, wie aus einem tiefen Schlaf gerissen. Ihre Kleidung war rußig, ihre Haare versengt. Unter ihnen lag das Tal. Wo Camp Sonnenschein gestanden hatte, qualmte nur noch ein schwarzer, rauchender Fleck. Ein zerstörter Knotenpunkt. Die Bauhofmannschaft, die am Morgen eintraf, fand drei verstörte, wortkarge junge Erwachsene und die Überreste eines offensichtlich durch einen defekten Heizöltank verursachten Brandes. Der Fall war klar. Traurig, aber nicht ungewöhnlich bei alten Lagern. Sie sprachen nie wieder darüber. Nicht direkt. Aber manchmal, wenn Alex in einem überfüllten Raum plötzlich eine Stille spürte, sah er Taylor an. Und sie nickte, nur einmal. Manchmal, wenn Sam mitten in der Nacht aufwachte und seine Hände betrachtete, rief er sie beide an. Sie sprachen dann über alles Mögliche. Über das Wetter. Über Fußball. Über alles, nur nicht über die Kälte, die sie an jenem Morgen im Gras gespürt hatten, als die erste echte Sonne über den Bäumen aufging. Es war eine andere Wärme gewesen. Nicht die gierige, verzehrende des Feuers. Nicht die trügerische, rituelle des Mondlichts im schwarzen Wasser. Es war eine gewöhnliche, spröde, menschliche Wärme. Sie war nicht viel. Aber sie reichte aus. Für diesen Morgen. Und für die folgenden Nächte.

Der verbrannte Boden und das Summen der satt gewordenen Dunkelheit für immer.

Manchmal, wenn Wanderer zufällig an die verbrannte Lichtung kommen, stellen sie fest, dass dort nichts wächst. Kein Gras, keine Farne. Nur schwarzer, harter Boden. Und wenn sie genau hinhorchen, meinen sie vielleicht ein Summen zu hören. Nicht das Summen von Insekten. Sondern das tiefe, satte Brummen von etwas, das endlich, endlich satt geworden ist. Ein lange unterbrochener Traum, der nun von Flammen und nicht von kleinen, ängstlichen Gedanken nährt. Es ist ein ruhiger Ort jetzt. Ein stiller Ort. Für immer und ewig. Camp Sonnenschein ist geschlossen.


Mit herzlichem Dank und stillem Gedenken an alle, die je im Mondlicht baden gingen,
Ihr Kartograf der nächtlichen Ängste und Archivar unheimlicher Lagerregeln.

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*Der geneigte Leser möge verzeihen, dass wir an dieser Stelle keine genaue geografische Verortung des besagten Camps angeben. Die Landkarten, auf denen solch Orte verzeichnet sind, verlieren mit der Zeit ihre Lesbarkeit, Pfade verwachsen, Schilder rosten, und das kollektive Gedächtnis dieser Gegend verschweigt lieber, was sich nach Einbruch der Dunkelheit auf der alten Lichtunge regt. Manche Koordinaten sollten besser dem Vergessen, andere der blassen Andeutung überlassen werden.

Quellenangaben:
Inspiriert von alles verzehrender Gier in alten Geschichten und menschlicher Neugier, die stets die falsche Tür öffnet.
Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen,
Deutsche Sagen und Volksmärchen, umfangreiches Archiv zu regionalem Aberglauben
Psychologische Aspekte von Angst, Isolation und kollektivem Erzählen
Norddeutsche Kulturberichte zu Lost Places und regionaler Folklore
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

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